Lokschuppen Herzberg

... abseits der Schiene

Wanderwege im Gebiet Schlieben

Hier möchte ich natürlich als Schliebener auf unsere Umgebung einen Augenmerk setzen. In einer Proschüre wurde Dies in den 50er`n anschaulich gemacht. Und mit einer bestimmten Sicherheit macht sich hier eine Erinnerung breit. Ob mit dem Rad oder zu Fuß, schön war die Zeit.
Herausgeber: Rat des Landkreises Herzberg, Abt. Jugendfragen sowie Heimatmuseum und Kreisbildstelle.

 

... Text dieser Proschüre

Liebe Jungens und Mädels

Die Heimat kennenzulernen, ist eines der wichtigsten Dinge im menschlichen Leben; denn nur der kann seine Heimat wirklich lieben, der sie richtig kennt. Wir wollen aber die Heimat nicht nur mit unseren Augen erfassen, sondern auch erfahren, wie die Menschen, die hier wohnen, im Verlaufe der Geschichte gelebt, wie die Unterdrückten für ihre Rechte gekämpft und ihre Heimat verteidigt haben. Eine Gruppe von Heimatforschern hat im Jahre 1951 mehrere Wochen gearbeitet, um die bisherigen und die neuen Kenntnisse über das Schliebener Becken zusammenfassen zu können. Dieses kleine Heftchen ist nun der erste Erfolg der Arbeit. Benutzt die Wanderwege recht fleißig, studiert dieses Heftchen und laßt Euch von Euren Lehrern weitere Einzelheiten berichten. Wir möchten Euch und allen deutschenJungen und Mädchen und darüber hinaus allen deutschen Menschen diesen ersten Abschnitt unserer Arbeit zum Geschenk machen.

 

Große Veränderungen sind in der Heimat seit dem Zusammenbruch des Faschismus in Deutschland vor sich gegangen, die Großgrund besitzer wurden enteignet und das Land den Landarbeitern und kleinenBauern gegeben, die großen Fabrikherren wurden entmachtet, ihreFabriken gingen in den Besitz des Volkes über — kurz, eine neue, demokratische Ordnung haben sich unsere Menschen mit der Unterstützung der Sowjetunion geschaffen. Wenn Ihr in diesem und den kommenden Sommern fröhlich wandern könnt, dann ist das ein Erfolg unseres neuen Schaffens, wenn wir diese Arbeiten durchführen konnten, dann verdanken wir das ebenfalls unserer demokratischen Regierung. Wollen wir alle helfen, das Erreichte weiterzubauen und zu schützen.

 

Wir wünschen Euch lehrreiche und frohe Stunden.


Das Schliebener Becken entstand in der Eiszeit, als ein zurückbleibender Eisblock abschmolz und einen großen See zurückließ. Da er über dem Urstromtal lag, hatte er das Bestreben, sich zu diesem hin zu entwässern. Er brach sich Bahn und floß im heutigen Kremitztal, eine sumpfige Niederung hinterlassend, ab. Der Lange Berg, die Kuhberge, der Windmühlenberg und der Berg an der Steigemühle blieben als Inseln stehen.

Nach den bisherigen Funden müssen die Menschen vor etwa 5000 Jahren am Südrand des Beckens (Jagsal, Oelsig) aus dem Elstertal zum „Großen See" vorgedrungen sein.

In der Bronzezeit, als die Menschen bereits seßhaft geworden waren, muß die Gegend sehr stark besiedelt gewesen sein. Das trifft besonders für die Zeit um 1000 vor der Zeitwende zu, denn umfangreiche Gräberfelder beweisen uns das. Der Burgwall bei Schlieben ist ebenfalls in dieser Zeit entstanden, damit sich die Menschen gegen Angreifer schützen konnten.

Die Fläche des Sees war wesentlich kleiner geworden, mehr Land wurde sichtbar.

Um 500 vor der Zeitenwende muß der See stark eingeengt gewesen sein, bewiesen durch die Dorflage Frankenhains. Bald teilte sich der See in zwei Becken, ein großes östliches und ein kleineres westliches.

In der Slawenzeit war der Burgwall Heiligtum. Als Siedlungen sind besonders Schlieben, Wehrhain, Naundorf, Proßmarke, zu nennen, die ihren typisch slawischen Charakter bis heute bewahrt haben.

Frankenhain und Hillmersdorf wurden von den deutschen Feudalherren als Herrensitze gegründet, als diese auf ihren Eroberungszügen nach dem Osten die ansässige slawische Bevölkerung mit brutaler Gewalt unterjochten.


Wanderweg 1 (Länge 20 km):

Schlieben — Burgwall — Malitschkendorf — Jagsal — Oelsig — Oelsiger Luch — Gräberfeld von Frankenhain — Frankenhain —Schlieben. W i n d m ü h l e n b e r g: Fernblick über das Becken des ehemaligen Sees (westlicher Teil), auf die südl. Randberge, die am Südrand und die in der Kremitzniederung liegenden Ortschaften.

 

„Heiliger S t e i g": Martinsberg — Gabelung Frankenhainer Oelsiger Straße — nach Westen abzweigender Feldweg (teilweise nur als Feldrain) — Feldweg auf halber Höhe des Nordabhanges des Windmühlenberges — durch das Wiesengelände etwa 200 m nördl. Burgwall-Straße Schlieben-Malitschkendorf treffend. Verbindung zwischen Schlieben (Zlivini = slawische Untergauhauptstadt) und dem Heiligtum der Slawen im Burgwall.

Die Religion der Slawen war ein Dämonenglaube (Geisterglaube), die Personifizierung der Gottheiten bahnte sich bei einigen Völkern langsam an. Die Dämonen wurden in heiligen Hainen oder alten, aus der Bronzezeit stammenden Burgwällen verehrt. Sie stellten eine Art Stammesheiligtum dar. Die Priester hatten neben den weltlichen Herrschern dieser frühfeudalistischen Zeit beachtliche Macht über das 'Volk. Auf dem „Heiligen Steig" zogen die Priester und die Herren aus der Untergauhauptstadt Schlieben bei großen Opferfesten zum Heiligtum, während die Menge des Volkes, rund um das Heiligtum gelagert, auf den Beginn des Festes und die Ankunft der Priester warten mußte.

B u r g w a l l: Um 1000 v. Ztw. (Bronzezeit) als Schutzanlage entstanden. Der schönste Burgwall des Kreises, in der Slawenzeit Heiligtum (Scherben aus dieser Zeit auf den umliegenden Feldern), Opferfeste (Heiliger Steig). Zufluchtstätte bis 1813. Geschützt durch früheres weitläufiges Busch- und Sumpfgelände. Im 16. Jahrhundert Beginn der Rodungen und Entwässerungen.

Die Bronzezeitleute waren bereits seßhafte Ackerbauern und Viehzüchter. Die gesellschaftliche Struktur war bedingt durch eine weitgehende Arbeitsteilung. Das Privateigentum an Produktionsmitteln bildete sich durch den Besitz des Viehs seit einiger Zeit heraus, obwohl noch im großen und ganzen urgemeinschaftliche Verhältnisse bestanden. Die Burgwälle wurden als Schutzanlagen gegen die vordringenden Feinde aus dem Norden errichtet. Sie waren das Ergebnis gemeinsamer Arbeit für die Verteidigung der Heimat.

M a l i t s c h k e n d o r f: Sandgruben nördlich und südlich vom Dorf bietet gute geologische Aufschlüsse. Straßendorf, Kirche aus dem 12. Jahrhundert.

Nach J a g s a 1 den sogenannten Kirchsteig benutzen. Straßen- oder Angerdorf. Ehemaliges Lehnsrichtergut (Gasthaus), Fachwerkbau. Am Südausgang des Dorfes Sandgrube (Bronzezeitliche Siedlung?).

N a p o l e o n s e i c h e: Napoleon war niemals hier, vielleicht lagerten auf dem Rückzug Franzosen hier (hoher Offizier?). Früher buschiges Quellgelände mit herrlichem Eichen- und Buchenbestand (Flurname „Quelle"). Leider fast alles gerodet. Aus diesem Gebiet soll das Wasser für die Herzberger Wasserleitung geleitet werden.

Zum 0 e l s i g e r L u c h nicht auf der Straße, sondern auf dem Feldweg südlich der Straße zur Windmühle (alte Herzberg—Sonnewalder Heerstraße), durch das Dorf. Durch die Gasse zur Wassermühle, dann ins Luch: Mischwald, alte Torfstiche, seltene Flora (Sonnentau, Sumpfporst u. ä.).

Gräberfeld Frankenhain : Im ganzen Wald südlich Frankenhain bronzezeitliche Hügelgräber (Grabung im Sommer 1951)

 

Die zahlreichen Gräberfelder unserer Heimat entstanden in der Bronzezeit. Die Toten wurden verbrannt, die Asche kam in Urnen. Die Grab-firne wurde dann mit Beigaben (Bronzeschmuck und Gefäße) versehen und über alles der Grabhügel gewölbt. Daß man aus dieser Zeit große Hügelgräber und einfache Flachgräber findet, bestätigt weiterhin die starke soziale Schichtung. Vornehme Mitglieder des Stammes bekamen einen gewaltigen Grabhügel, während sich der einfache Mann nur ein schmuckloses Flachgrab leisten konnte.

F r a n k e n h a i n : Sandgrube am Südausgang = Siedlung aus der frühen Eisenzeit. Frankenhain deutsches Reihendorf. Früher nur nördlich der Straße bebaut (Holzroste). Volksmund: „In Frankenhain werden die Plinsen nur auf einer Seite gebacken.") Dorfsiegel von 1700 zeigt im ovalen Laubkranz unter der Inschrift „FANKENHAIN" einen Hahn auf dem Mist.

An der Straßengabel Schlieben—Wehrhain nördlich Steigemühlgraben bei der „Herrschkenbrücke" früheisenzeitliche Siedlung (entdeckt im Sommer 1951).


Wanderweg 2 (Länge 27 km):

Schlieben — Berga — MAS-Schule — Naundorf — Gänseberg —
Proßmarke — Hillmersdorf — Torfstich — Frankenhain — Schlieben.

Berga: 1422 erste Erwähnung („die vom Berge"). Steiler Anstieg, von der Höhe weiter Rundblick über das Schliebener Becken.

VEB Holz: Möbelfabrik mit Lehrwerkstatt und Lehrlingswohnheim.
MAS-Schule: Vorbildliche Unterrichts-, Wohn- und Kulturräume, Garagen und Werkstätten, Schwimmbad.

VEG W e r c h a u : Moderner Gartenbaubetrieb mit großen Treibhäusern, Mitschurin-Versuchsfeld.

 

Die neuen Bauten auf dem ehemaligen „Hasag"-Gelände sind ein deutlich sprechender Beweis für den Aufbau- und Friedenswillen unserer demokratischen Regierung und des deutschen Volkes. Ferner kommt besonders durch das Lehrlingswohnheim und die MAS-Schule die Sorge und die Förderung der Jugend zum Ausdruck. Hier können sich die jungen Menschen wohlfühlen und fleißig lernen. Auf einem Gelände, auf dem einmal Mordwaffen für einen imperialistischen Krieg hergestellt wurden, erheben sich heute Gebäude für eine friedliebende, lernbegierige Jugend. Nur die Industrie- und Bodenreform schufen die Voraussetzungen für die Errichtung der Gebäude und Anlagen von VEB-Holz, der MAS-Schule und des VEG Werchau.

 

Nach Naundorf : Weg an den Höhen entlang (ehemalige Weinberge), Sandgrube. Rundling mit späterem Gutssitz, Wassermühle im Dorf.

Die Anlage des Dorfes Naundorf zeigt deutlich, daß hier zwei verschiedene Zeiten gebaut haben. Zum Moor hin, abseits von der Straße, liegt als Rundling das alte slawische Dorf. Als dann nach der Eroberung ein deutscher Herr kam, errichtete dieser sein Gut außerhalb des ihm gehörenden Dorfes. Die Slawen waren ihm nämlich untertan, sie waren seine Leibeignen.

Nach P r o ß m a r k e wieder an der Höhe entlang zum Gänseberg, der von einem Zickzackgraben noch teilweise umgeben ist. Vom Gänseberg ab zwischen Straße und Moor Langwall mit Kiefern bestanden (Verteidigungsanlage?). Am Ende des Walls eine in das Moor vorspringende Anhöhe, mit Strauchwerk bestanden, Fundort mittelalterlicher Scherben, vermutlich das verwüstete Dorf Sassendorf.

Hochmoor bei P r o ß m a r k e : Sumpfflora (Wassernuß, Sumpfkalla u. ä.)

P r o ß m a r k e : Im 14. Jahrh. als Provismarke (Propsteigrenze) erwähnt. Rundling, Kirche auf einer Anhöhe (Wehrkiche?), große Findlinge auf dem Dorfplatz.H il 1 m er s d o r f: Auf der Straße Blick nach Osten über die Rochauer und Sonnewalder Heide. Hillmersdorf, ein zwischen steilen Höhen und sumpfigen Wiesen eingezwängtes langes (1,5 km) Zeilendorf. Auf den Höhen alte Ziegeleien. Volkseigenes Gut. Ehemaliges Gutshaus quadratischer Bau mit eingeschlossenem Lichthof. Nach der Sage Burgverließ und unterirdischer Gang zum Weinberg. Romanische Kirche mit Grabmal aus dem 16. Jahrh. (v. Raschkau). Zwischen Schule und dem alten Dorf an der Straßenkreuzung alte Eiche, dabei altes Spritzenhaus als Beispiel für ein wendisches Blockhaus.

Hillmersdorf ist ein deutsches Dorf, der Name entstand wohl aus Hildebrandsdorf Die feudalistischen Lehnsherren hatten sich hier ein großes und ertragreiches Gut anlegen lassen, auf dem die Bauern als Leibeigene zu arbeiten hatten. Die deutschen Bauern, die als Siedler ins ehemalige Slawenland kamen, verloren immer mehr Land an den Feudalherren, bis sie gezwungen waren, ihre Freiheit ebenfalls zu verkaufen und wie die slawischen Untertanen für den „Herren" Frondienste zu leisten. Ganz besonders kommt die Vergrößerung des Gutsbesitzes auf Kosten der Bauern in Stechau zum Ausdruck

Das Gut Hillmersdorf wurde nach dem Zusammenbruch Hitlerdeutschlands Volksgut, während das Gut Stechau durch die Bodenreform an die Bauern zurückgegeben wurde.

Weiterwanderung durch das Moor. Wege und Gräben mit Birken und Fichten gesäumt, landschaftlich schöne, immer neue Blicke über die Weite. Viele etwa 1/9 m tiefere Flächen als „Untergrund" bezeichnet. Sie sind nicht mit Gespannen befahrbar, das Heu muß herausgetragen werden

Reiche Flora: „Fichtwald" = Rest des einstigen großen Waldgebietes (Sumpfwald mit Mischbestand), war im Mittelalter Holzlieferant des Amtes Schlieben. Holunderhecken.

Kreuzung mit Naundorfer Damm (Verkehrsweg zwischen Stechau und Naundorf).

Torfstich: Nach 1945 maschineller Torfabbau zur Bekämpfung der Kohlenknappheit.

K a l s h k e n : Vor Birken eingefaßte rechteckige Erhebung (Ackerfläche).
Hier soll früher eine Ziegelei gestanden haben. Von Frankenhain weiter wie unter Wanderweg 1.


Wanderweg 3 (Länge 30 km)

Anfangs wie Wanderweg 2 bis Hillmersdorf — Stechau — Schleifmühle — Gräberfeld Frankenhain — Frankenhain, dann wie Wanderweg 1.

S t e c h a u : Typisches Beispiel eines Gutsdorfes (vergl. Naundorf), alter länglicher Rundling mit Teich, Schule und Kirche in der Mitte. Gutsschloß Barockbau (1705). Park mit seltenen Bäumen und Sühnekreuz

Stechau — das aufbauende Dorf! Hier wurde tatkräftig nach dem Kriege aufgebaut. Viele Neubauerngehöfte entstanden, Ausbesserungsarbeiten wurden durchgeführt, und jetzt ist man dabei, dem Ort eine Kanalisation zu schaffen.

Schleifmühle: Ein Ort gruseliger Geschichten. Viele, besonders vom Koll. Kunze, Schlieben, gesammelte Erzählungen sind von ihr bekannt. Die alten Leute meinen, hier spukt es. — Bis etwa 1875 hat hier eine Wassermühle gestanden. Die Stauanlage — ein idyllisch gelegener Teich — und hohe Dämme sind noch heute Zeugen fleißiger Arbeit. Oestlich von der Schleifmühle befindet sich eine interessante Sandgrube, in der Ortsteinschichten und teilweise Braunkohle gefunden werden kann. Braunkohle soll hier früher von der Stechauer Gutsziegelei zur Herstellung poröser Steine abgebaut worden sein.

Gräberfeld von Frankenhain und übriger Weg siehe Wanderweg 1.


Wanderweg 4 (Länge 7 km)

Schlieben — Windmühlenberg — Steigemühle — Kuhberge —Schlieben

Windmühlenberg: Früher standen hier 2 Windmühlen, die letzte brannte vor dem 1. Weltkrieg nieder. Fernblick über den westlichen Teil des Schliebener Beckens, die Randhöhen und die Dörfer.

Nahe beim nördlichen Gehöft ein altes Gräberfeld aus der Bronzezeit. S t ei g e m ü h l e: Landschaftlich schön gelegenes Gehöft zwischen Höhen, Wald und Busch. Die Wassermühle gehörte im 15. Jahrhundert zu Schlieben, heute Wasserturbinen und Elektroantrieb. Badeteich.

Auf den bewaldeten Höhen südlich der Steigemühle noch alte Dachsbauten. Eine große Sandgrube als geologischer Aufschluß. K u h b e r g e: Einige Aufschlüsse. Der kleinere Hügel teilweise abgetragen, er zeigt merkwürdige Formen, Reste anscheinend künstlich angelegter Terrassen an der Südwest-Ecke.

 


Wanderweg 5 (Länge 5 km):

Schlieben und der „Lange Berg".

Ernst-Legal-Schule : Eine der schönsten Schulen des Kreises, moderne Innenräume, Brausebad. Baujahr der Schule 1932.

Ernst Legal, Nationalpreisträger und Generalintendant der Berliner Staatsbühnen, wurde am 2. 5. 1881 als Sohn des Schliebener Apothekers Ernst Legal geboren. Er ist nicht nur ein großer Schauspieler, sondern er hat sich auch mit Neuüberarbeitungen von Uebersetzungen einiger Dramen von Shakespeare und anderen Uebersetzungen beschäftigt. Die Nazi-Herrschaft brachte ihm ein vorläufiges Ende seiner Laufbahn.Nach 1945, als die Theater unserer deutschen Hauptstadt und mit ihnen das gesamte Theaterleben darniederlagen, sammelte er die letzten Reste an Kräften, um einen neuen Anfang zu gewinnen. General Bersarin ernannte ihn zum Generalintendanten. Trotz seines hohen Alters löste er mit jugendlicher Kraft in der Zeit des Neuaufbaus der Berliner Bühnen die schwierigsten organisatorischen und künstlerischen Fragen. Seine Inszenierungen und seine gesamte Arbeit brachten ihm die höchste Auszeichnung unserer Deutschen Demokratischen Republik, den Nationalpreis.
Allen Leuten ist er bekannt aus seinen Filmen, besonders aus seinem letzten Film „Karriere in Paris" (nach Balzac's „Vater Gorriot".)Am 24. 9. 1950 war Ernst Legal in Schlieben. An diesem Tage wurde
ihm feierlich der Ehrenbürgerbrief der Stadt Schlieben überreicht, die
Schule und der Platz vor seinem Geburtshaus erhielten seinen Namen.

 

S c h l o ß b er g: Nur etwa ein Drittel des Hügels noch vorhanden. Vermutlich schon zur Slawenzeit Sitz eines Zupan (slawischer Fürst). Hauptort des Untergaues Zlivini (Schlieben) im Gau der Lusici (Lausitz).

Nach der Eroberung des Slawenlandes durch die deutschen Feudalherren war Schliebens Schloß der Sitz der deutschen Befehlshaber, die man Vögte und später Amtleute nannte. Sie waren vom Landesfürsten eingesetzte Verwaltungsbeamte, Richter und militärische Oberbefehlshaber, Herren über Leben und Tod der Bauern. Die ersten Adligen nannten sich nach dem Orte „Herren von Schlieben" (Sliv, Slivne, Tzlevin, Slivin, Schlieben).

Die Burg wurde mehrmals erweitert. Sie bestand in ihrer größten Ausdehnung aus Unterburg, Oberburg, Graben, unterem und oberem Tor mit je einer Zugbrücke, Bergfried, Wehrgang, bestückt mit größeren und kleineren „Büchsen". Schloß auf dem Stadtbild von Dilich 1629 als hoher mehrstöckiger Bau mit Satteldach zu erkennen. Im 30jährigen Krieg zerstört. Das heute auf dem Schloßberg stehende Haus 1900 als Kiefernsamendarre erbaut.

Kleiner Markt, Ernst-Legal-Platz, Marktplatz:

Diese drei Plätze ohne die dazwischenliegende Häusergruppe bildeten vermutlich die älteste Dorfanlage, die wohl ein sehr großer Rundling gewesen sein muß. Geburtshaus Ernst Legals (Apotheke).

Kirche: Gotischer Bau, älteste Teile (Grundmauern des Schiffes) etwa seit 1200, Turm seit .1856, vorher Turm mit Satteldach, auf dem Dilichschen Bild Turm mit Renaissance-Zierart, Laterne und Haube. Reichgeschmückter Barock-Altar, Grabsteine adliger und bürgerlicher Familien aus dem 17. und 18. Jahrhundert. In der Sakristei Gedenktafel für Johann von Drandorf, der 1425 als Anhänger von Hus in Worms auf dem Scheiterhaufen starb. Ueber dem Turmeingang Luther-Standbild des Bildhauers Juckoff, der auch die Statue „Mutter und, Kind" an der Schule schuf.

Vor dem Turmeingang großer Stein im Pflaster, der an die Hinrichtung eines Junkers von Drandorf wegen Doppelehe (etwa 1680) erinnert

Friedensstraße, Karl-Marx-Straße, Herzberger Straße:

Alte, schöne Häuser mit Walmdächern und teils Fachwerk aus der Barockzeit. „Propstei" (Pfarrhaus) — ehemaliger Sitz des Propstes oder Superintendenten, dessen Amtsbereich sich etwa mit dem alten Amt Schlieben deckte. Amtsgericht, jetzt Wohnhaus und Schulklasse. Sandsteinschmuck über dem Eingang: Sächsischer Kurhut und Schwerter, Inschrift über Zweck, Baujahr und Erbauer: Heineken, sächsischer Baumeister, Künstler, Sammler, Verwalter der kurfürstlichen Kunstschätze, Vertrauter des Ministers Brühl, Baujahr 1787.

Martinsstraße, Kellerstraße: Am Beginn der Martinstraße Stelle des ehemaligen Martinstores. 30 Keller zeugen vom ehemaligen Schliebener Weinbau. Erste Erwähnung der Keller nach 1500. Hier spielt sich als altes Volksfest jährlich der „Moienmarkt" ab.