Lokschuppen Herzberg

Dahme - Uckroer Eisenbahn

Dahme - Uckroer Eisenbahn

Bereits in den 1870er Jahren gab es Pläne, die den Bau einer Eisenbahnverbindung von Magdeburg über Dahme in die Lausitz, dann von Jüterbog über Dahme, Luckau nach Senftenberg berücksichtigten. Für letztere wurden sogar Rentabilitätsberechnungen aufgestellt. Auch das Bahnprojekt Berlin — Dresden sah zuerst eine Linienführung über Dahme vor, später wurde das Projekt geändert und die Bahn über Uckro geführt. Den damaligen Stadtvätern warf man vor, „geschlafen" zu haben, was einige Quellen jedoch widerlegen. War es doch der damalige Minister Manteufel, der sich für die Trassenführung über Uckro einsetzte. Die Bahn sollte zur Erschließung der Güter seiner Verwandten dienen. Später begnügte man sich mit dem Plan, eine Strecke von Dahme über Uckro nach Luckau zu bauen. Übrig blieb das Projekt einer Eisenbahnstrecke von Dahme nach Uckro, dass von dem Dahmer Bürgermeister Ludwig von Schell mit allen Mitteln gefördert wurde. Und so kam es, dass am 21. Oktober 1884 die „Dahme-Uckro'er Eisenbahn-Aktiengesellschaft" mit einem Grundkapital von 700.000 Mark gegründet wurde.

 

Bahnhof Dahme um 1890

  • Gegründet, genehmigt und gebaut

Am 8. Januar 1885 fand die erste Generalversammlung im Müllerschen Hotel statt. Ein bedeutender Tagesordnungspunkt war neben der Bekanntgabe des Statuts die Wahl des Aufsichtsrates. Gewählt wurden neben dem Bürgermeister von Schell aus den Reihen der Aktionäre der Kaufmann Karl Hauckelt, der Amtsrat Theodor Barthold, die Fabrikbesitzer Oetting und Köpenick sowie der Kaufmann Otto Unverdorben. Laut Zeitungsbericht fand am 31. März 1885 der erste Spatenstich statt. Durch allerhöchste Urkunde vom 18. Mai 1885 wurde von der preußischen Regierung der Dahme-Uckroer Eisenbahngesellschaft (DUE) die Konzession zum Bau der Bahn von Dahme nach Uckro erteilt. Dieser Akt war ein bedeutender Schritt in Richtung eines wirtschaftlichen Aufschwungs für unsere Stadt und für das Umland. Dem königlichen Eisenbahnkommissariat wurde am 14. Oktober 1885 das Eisenbahnprojekt einer Normalspurbahn (1435 mm Spurweite) von untergeordneter Bedeutung zur landespolizeilichen und eisenbahntechnischen Prüfung vorgelegt. Neben den Bahnhofsanlagen in Dahme und Uckro sah das Projekt eine Haltestelle in Kemlitz vor. Die Streckenlänge betrug 12,53 km. Beauftragt mit dem Bau wurde das Unternehmen Donath & Behrendt (Firma Davy, Donath & Cie.) aus Berlin, das in den ersten Jahren auch die Betriebsleitung inne hatte. Im Januar 1886 waren die Erdarbeiten abgeschlossen, so dass mit dem Verlegen des Oberbaus begonnen werden konnte. Auch der Güterschuppen war bis auf den Innenausbau, der Lokomotivschuppen und das Empfangsgebäude in den Fundamenten fertig gestellt. Am 24. Mai 1886 fand die landespolizeiliche Abnahme der Strecke Dahme — Uckro statt. Die Baukosten betrugen mit Grunderwerb 851 225,00 Mark. In dem gemeinschaftlichen Gutachten der Vertreter der Landespolizeibehörde und des königlichen Eisenbahnkommissariats wurden keine Bedenken gegen die Eröffnung des Betriebes auf der Dahme-Uckroer Eisenbahn erhoben. Der Magistrat und die Stadtverordneten beschlossen in einer gemeinsamen Sitzung, dass die Bahn am 31. Juli in Betrieb genommen wird. Als Termin für die Eröffnungsfeier wurde der 3. August festgelegt. Aus Mitgliedern der Versammlung wurde eine gemischte Kommission als Festkomitee gewählt. Für Marsch, Tafel und Ballmusik bewilligte die Versammlung 45 Mark (Notiz aus der Akte der Polizeiverwaltung zu Dahme).Das Programm für die Einweihungsfeier sah folgenden Ablauf vor:
1. Um 10.00 Uhr Versammlung der Festteilnehmer auf dem Wilhelms-platz (heute Töpfermarkt). Danach Umzug mit Musik um 10.00 Uhr vom Wilhelmsplatz zum Bahnhof. Abfahrt eines Sonderzuges (bestehend aus Lokomotive mit Personenwagen, dann offener Wagen für Musik, zwei weitere Personenwagen und am Schluss ein Wagen für Frühstücksmitnahme) gegen 10.45 Uhr nach Uckro. In Uckro Einnahme eines kleinen Frühstücks mit anschließender Besichtigung der Bahnhofsanlagen und des Schlosses. Rückfahrt nach Dahme um 13.30 Uhr.
2. Nach Ankunft in Dahme Mittagessen im Hotel Müller mit nachfolgendem Kaffeetrinken im Garten. Als Umrahmung kleines Feuerwerk (bengalische Beleuchtung des Gartens).
3. Um 21.00 Uhr Tanz im Müllerschen Tanzsaale.
Der Eröffnungszug wurde von dem ersten Lokomotivführer der DUE Hirschauer geführt. Die DUE verfügte mit Eröffnung des Betriebes über zwei Lokomotiven Bauart Bn2t (Hersteller Firma Henschel Fabrik-Nr. 2212 und 2213), zwei Personenwagen, ein kombinierten Gepäck- und Postwagen, vier gedeckte und sechs offene Güterwagen. Die Lokomotiven trugen die Namen „VON SCHELL" und „DAHME".Bereits ein Jahr nach der Eröffnung wurde über die widerrechtliche Benutzung des Weges, der seitlich entlang der Strecke zwischen Rosenthal und Dahme verlief (als öffentlicher Fußweg), bei der Polizeiverwaltung Klage geführt. Die angrenzenden Grundstücke würden dadurch Schaden erleiden. Die Polizeiverwaltung beschloss ein Verbot für die öffentliche Nutzung, die Nichteinhaltung sollte mit einer Geldstrafe von drei Mark geahndet werden. In all den Betriebsjahren konnte das Verbot nie so richtig durchgesetzt werden. So wird der Weg auch heute noch als Verbindung zwischen Dahme und Rosenthal genutzt.

Bahnhof Uckro um 1910

  • Wechselnde Betriebsverhältnisse

Bereits im ersten Winter 1886/87 musste der Zugverkehr infolge starken Schneefalls für einige Tage eingestellt werden. Im Jahre 1888 wurde der Betriebsvertrag mit der Baufirma Davy, Donath & Cie. aufgekündigt und die Gesamtleitung nach Dahme verlegt. Die oberste Leitung des Betriebeswurde dem Königlichen Baurat Klehmet übertragen. Nach dessen Tode wurde im Jahre 1900 der Königliche Baurat Techow zu dessen Nachfolger gewählt. Auch vor Unfällen blieb die DUE nicht verschont, wie aus dem Öffentlichen Anzeiger vom 18. Juni 1892 zu entnehmen ist (Auszug Originaltext): „Als der Zug eine kleine Strecke hinter dem Dorf Rosenthal war, wollte ein 22jähriger mit einem mit 5 Ochsen bespannten Wagen noch den Wegübergang passieren. Es war vom Bahnzuge aus rechtzeitig und stark geläutet und gepfiffen worden. Der Zug wurde erst so spät bemerkt, dass er sein Gefährt nicht mehr vorwärts oder rückwärts vom Gleise bringen konnte. Es geschah demzufolge das Unglück, dass 4 Ochsen teils am Kopf, teils an den Beinen überfahren wurden. Die verletzten Tiere mussten geschlachtet werden." Mit dem Magistrat ist 1892 dahingehend eine Übereinkunft getroffen worden, dass der mit der Tour nach der Luckauer Chaussee betraute Nachtwächter das Bahnhofsterrain mit zu begehen hatte. Dafür zahlte die DUE eine Vergütung von sechs Mark an den Nachtwächter. Schon frühzeitig machte man sich Gedanken, die Strecke über Dahme hinaus weiterzuführen.
Geplant wurde, die Strecke über Knippelsdorf, Freiwalde, Schönwalde nach Holzdorf zu verlängern. Diese Projekt wurde jedoch nie realisiert. Zehn Jahre später (1913) beschäftigte man sich mit einem Bahnprojekt, dass eine Bahnverbindung von Guben über Dahme nach Jüterbog vorsah. Auch dieses Projekt wurde nicht umgesetzt.
Für die Unterstellung eines Personenwagens bzw. einer Reservelokomotive plante die DUE 1898 den Bau eines Holzschuppens.
Der Wagenschuppen befand sich am Gleisabschluss hinter dem Lokschuppen. Später wurde der Wagenschuppen abgetragen und durch einen einfachen Gleisabschluss in Form eines Erdwalls, der an der Gleisseite mit Bahnschwellen eingefasst war, ersetzt.

Lok Uckro mit Bauzug um 1920 in der Nähe von Rosenthal

  • Mehr Fahrzeuge und Gleise

Die mit der Eröffnung des Betriebes eingesetzten zweiachsigen Tenderlokomotiven genügten den täglichen Anforderungen nicht mehr. In der Aufsichtsratssitzung vom 7. November 1899 erwog man den Kauf einerzweiten dreiachsige Tenderlokomotive (Beschaffungskosten rund 28.000 M). Bei der Lokomotive handelte es sich um eine der Bauart Cn2t der Firma Henschel. Reparaturen an den Lokomotiven wurden vom Personal selbst durchgeführt. Im hinteren Teil des Lokschuppens war eine kleine Schmiede untergebracht. Beide Gleise im Lokschuppen verfügten über Gruben zur Untersuchung des Fahrwerks. Zur Verbesserung der Reisekultur und der Sicherheit beschloss die DUE in ihrer Generalversammlung am 6. April 1901, den Bahnhof mit einer elektrischer Beleuchtung auszurüsten und eine Bedürfnisanlage errichten zu lassen. Entworfen wurde das Gebäude von Otto Techow. Aufgrund des gestiegenen Aufkommens sah sich die DUE gezwungen, 1902 zwei weitere gedeckte Güterwagen zu kaufen, waren doch 1899 bereits fünf gedeckte und vier offene Güterwagen gekauft worden. Ein Jahr später wurde dem Antrag des Domänenpächters Theodor Barthold, die Gleisanlagen der Haltestelle Kemlitz durch das Verlegen einer Weiche nebst Verladegleis zu erweitern, stattgegeben. Bereits 1897 war wegen des regen Verkehrs die Ladestraße durch Ankauf von Land der Domaine und dem Gut Schlagsdorf erweitert worden. Auch die Gleisanlagen des Bahnhof Dahme bedurften einer Erweiterung, um dem anfallenden Güterverkehr gerecht zu werden. So wurde auf der Generalversammlung vom 27.März 1906 dem Bau eines Endladegleises auf der anderen Seite der Ladestraße, sowie der Erweiterung der Rampenanlage zugestimmt. Auf der Station Uckro sollte das Stumpfgleis verlängert und mittels einer Weiche an der Westseite angeschlossen werden.

Lok 1 der DUE gebaut von Linke-Hoffmann (Fabriknr. 399) spätere 89 6476

  • Feier zum Jubiläum

1911 war für die DUE ein ganz besonderes Jahr, galt es doch, das 25-jährige Bestehen zu feiern. So wurden die Züge am 31. Juli mit Girlanden und Fahnen geschmückt. Unter Vorsitz des Königlichen Landrats des Kreises Jüterbog-Luckenwalde, Herrn Regierungsrat von Cossel, fand eine Sitzung des Aufsichtsrates mit anschließendem Festessen im Hotel Kunze statt. Am Abend versammelten sich dann alle Eisenbahner mit ihren Angehörigen zu einer kleinen Feier im Schützenhaus. Die Feier wurde auch zum Anlass genommen, einige Eisenbahner für ihre langjährige Tätigkeit bei der DUE auszuzeichnen, so den Stationsvorsteher Heinrich Pohle, den Strecken- und Güterbodenarbeiter Friedrich Schülzge (Rosenthal) und den Bahnarbeiter Kube. Heinrich Pohle wurde 1920 in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, den er bis zu seinem 81. Lebensjahr 1930 genießen konnte. Ihm folgte Herr Fischer in das Amt des Stationsvorstehers. Gelegentlich kam es vor, dass die Diensträume bzw. auch die Bahnhofswirtschaft von Einbrechern heimgesucht wurden. Ziel dieser Einbrüche war es in der Regel, sich der Ein-nahmen zu bemächtigen. Bei solch einem Einbruch in die Kellerräume der Bahnhofswirtschaft wurde der Langfinger durch die Frau des Gastwirts gestört. Im Öffentlichen Anzeiger vom 12. Dezember 1921 war darüber folgendes zu lesen (Originaltext): „Sonnabend Abend % 10 Uhr, kurz vor Einlauf des Zuges, wurde in der hiesigen Bahnhofswirtschaft ein Einbruchsdiebstahl verübt. Die Frau des Gaswirts, die zufällig in den Keller ging, hörte im Weinkeller, wo Grundwasser steht, ein plätscherndes Geräusch und holte sich dann Zündhölzer , um den Raum auszuleuchten, da das elektrische Licht nicht bis dorthin drang. Als sie wieder in den Keller kam, war das elektrische Licht ausgedreht und als sie ein Streichholz anzündete, schlug ihr der Dieb dasselbe aus der Hand und ergriff die Flucht durch das Kellerfenster, durch das er auch hineingelangt sein musste. Er hatte es auf den Wein abgesehen, musste aber ohne Beute abziehen." Die wirtschaftlichen Verhältnisse in den 1920er Jahren zwangen auch die DUE zu Einschränkungen. Infolge des Kohlenmangels kam es immer wieder zu Zugausfällen, so im Jahre 1923.
Die Direktion der DUE war ständig um eine bessere Anbindung in Richtung Berlin und Dresden bemüht. Dabei galt es, mit den Vertretern der Eisenbahndirektion Halle günstige Übergänge für den Reise- und Postverkehr in Uckro auszuhandeln. Somit konnten kostspielige Übernachtungen bei Geschäftsreisen entfallen. Selbst den Kauf der von der Jüterbog-Luckenwalder Kreiskleinbahnen (JLKB) betriebenen Strecke von Dahme-Hohenseefeld-Jüterbog und deren Umbau auf Normalspur zog man in Erwägung. Dieses Vorhaben wurde ab 1925 jedoch nichtweiterverfolgt. Nicht nur während des Dienstes, sondern auch im öffentlichen Leben traten die Eisenbahner immer wieder positiv in Erscheinung. So bekam 1928 der Eisenbahn Betriebsassistent Erich Starke aus Dahme vom preußischen Staatsministerium für die Rettung des Schneidergeselle August Lange aus der Gefahr des Ertrinkens die Erinnerungsmedaille verliehen. Die Medaille wurde vom Bürgermeister Dr. Kolb feierlich im Rathaus überreicht. In der Nacht vom 24. zum 25. Dezember 1932 wurde für die Freiwillige Feuerwehr Alarm gegeben. Der Bahnhofswirt hatte in einem am Bahnsteig stehenden Reisezugwagen ein Feuer in einem Abteil der 2. Klasse entdeckt. Unter der Leitung des Herrn Branddirektor Hartwich konnte die Brandbekämpfung alsbald aufgenommen werden. Ein Übergreifen der Flammen auf die Abteile der 3. Klasse konnte nicht verhindert werden. Der Wagen brannte völlig aus.

Bf Kemlitz 1911 zum 25 jährigen Jubiläum der DUE

  • Zusätzlich bahneigener Kraftverkehr

Zur Verbesserung der Reisebequemlichkeit zwischen Dahme und Uckro plante die DUE 1934 die Anschaffung eines neuen 29-sitzigen Omnibusses mit Anhänger. Gleichzeitig sollten die an der Strecke liegenden Dörfer, wie Rosenthal, Sieb, Kemlitz und Falkenberg, eine bessere Verbindung nach Uckro und Dahme erhalten. Mit Inkrafttreten des Sommerfahrplans 1935, am 15. Mai, wurde die Kraftfahrlinie von Dahme nach Uckro eröffnet. Gleichzeitig wurden Eisen-bahnseitig für den Güterverkehr drei Zugpaare, die wie bisher auch der Personen- und Postbeförderung dienten, beibehalten. So wurde den Wünschen der Bevölkerung, eine direkte Verbindung von Jüterbog und Luckenwalde über Dahme nach. Bereits ein Jahr später gab es Pläne, den gesamten Personenverkehr nur noch mit Bussen zu bedienen und auf der Bahn nur den Güterverkehr zu betreiben. Dieses Vorhaben wurde jedoch durch den kriegsbedingten Kraftstoffmangel nicht verwirklicht. Mit Beginn des Sommerfahrplanes 1941 verkehrte nur noch ein Buspaar zwischen Dahme und Uckro. Im Jahr darauf wurde der Busverkehr bei der DUE eingestellt. Zur Verbesserung des Betriebes, besonders im Rangierdienst, kaufte die DUE 1937 eine Diesellok mit der Fabriknummer 622 von den Deutschen Werken Kiel. Die Lok erhielt die Nummer 7-320. Nach Kriegsende 1945 wurde die Lok von der Roten Armee als beschlagnahmt und abtransportiert. Während des Krieges wurden regelmäßig Kesselwagenmit Flugzeugbenzin nach Dahme befördert. Das Benzin war für die in Reinsdort stationierte Jägerstaffel bestimmt. Mit Hilfe der Diesellok wurden dann die Kesselwagen über eine Rampe auf ein Straßenroller (Kulemeyer) geschoben. Weiter ging der Transport per Straße bis Reinsdorf. Neben dem Wagenladungsverkehr war Dahme auch für Stück- und Expressgut Empfangs- und Versandbahnhof. So wurde das Bier der Brauerei „Löwen Bömisch" per Stückgut nach Dahme befördert. Von hier aus erfolgte die Verteilung an die Gastwirte im Ort und den umliegenden Dörfern. Die Brauerei unterhielt in Dahme eine Niederlage die auf dem Grundstück der Familie Kasper untergebracht war.

Lok 7-320 der DUE gebaut 1937 von den Deutschen Werken Kiel

  • Veränderte Bedingungen

Mit Vorrücken der Roten Armee kam der Zugverkehr im April 1945 zum Erliegen. Wie aus einem Schreiben des Landesverkehrsamtes Brandenburg hervorgeht, konnte bereits im Juli des gleichen Jahres ein Personenverkehr eingerichtet werden. Es verkehrten täglich zwei Züge zwischen Dahme und Uckro. Mit Ende des Krieges wurden auch die zuvor an die Wehrmacht verkauften Anlagen der JLKB für den öffentlichen Verkehr reaktiviert. Die ehemalige JLKB hießen nun nach ihrer Neugründung „Luckenwalde-Jüterboger Kleinbahn (LJK)". Mit Befehl Nr. 124 der Sowjetischen Militäradministration wurde die DUE am 5. August 1945 entschädigungslos „zugunsten des Volkes" enteignet. Nach langen Verhandlungen mit der Landesregierung beschloss der Kreistag am 26. Juni 1947, auf das Eigentum an der DUE zu verzichten und es dem Land Brandenburg zu übertragen. Die Verkehrsleistungen im Reise- und Güterverkehr nahmen nach Kriegsende vermehrt zu. War doch die Wiederinbetriebnahme der ehemaligen JLKB mit dem Güterumschlag auf Schmalspurwagen ein ausschlaggebender Punkt dafür. Wie die benachbarte Niederlausitzer Eisenbahn, so wurde auch die DUE am 1. April 1949 von der Deutschen Reichsbahn übernommen. Der Bahnhof Dahme gehörte fortan zur Reichsbahndirektion Cottbus (Reichsbahnamt Senftenberg), währenddessen die LJK von der Reichsbahndirektion Berlin verwaltet wurde. Die Bahnhofsstraße bildete sozusagen die Grenze zwischen den Direktionen. Die Betriebswerkstatt der DUE wurde dem Bahnbetriebswerk (Bw) Luckau (bis 31. August 1967 eigenständiges Bw) als Lokbahnhof Dahme unterstellt. Über das Bw Luckau gelangten verschiedene Lokomotiven ehemaliger Privatbahnen nach Dahme, wie die 91 6497 (Typ ELNA, ehemals Liegnitz-Rawitscher Eisenbahn), 92 6484 (Typ ELNA ehemals Liegnitz-Rawitscher Eisenbahn) und die 92 6380. Später kamen Lokomotiven der Baureihe 5516-22 (ex pr. G 8), wie die 55 2217 und die 55 2113, zum Einsatz. Die Unterhaltung der Strecke und der Anlagen des Bahnhofs Dahme übernahm die Bahnmeisterei Uckro. In den fünfziger und sechziger Jahren war ein erheblicher Güterverkehr zu bewältigen. Das war nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass viele Güter in Dahme zwischen der Kleinbahn und der DUE umgeladen wurden. Dies war für die Reichsbahndirektion Cottbus auch ausschlaggebend, den Bahnhof Dahme in ihrer „Konzeption für die Bildung von Wagenladungs-knotenbahnhöfen" vom 31. Mai 1963, als Knotenbahnhof einzustufen. Selbst die Eisenbahner waren stets bemüht, die Wagenstillstandszeiten so gering wie möglich zu halten. Bis Mitte der fünfziger Jahre existierte die „Ladestelle Pickel" des VEG Kemlitz. Sie bestand aus einem 95 m langen Ladegleis das im km 8,8 von der Strecke abzweigte. Wann die Ladestelle eröffnet wurde, konnte bisher nicht in Erfahrung gebracht Auch das kulturelle Leben der Eisenbahner sollte nicht zu kurz kommen. So plante die Bahnmeisterei Uckro 1951 im Lokschuppen des Bahnhof Dahme, unter Verwendung des Aufenthaltsraumes und des ehemaligen Materialienraumes, ein Kulturraum zu errichten. Der Bau zog sich jedoch noch einige Zeit hin. Im Generalreparaturplan für das Jahr 1954, den die Bahnmeisterei Uckro an das Reichsbahnamt Senftenberg eingereicht hatte, wurden 7 000,00 DM für den Umbau veranschlagt.

  • Busse statt Personenzüge

Durch das verbesserte Busangebot zwischen Dahme und Luckau nahm der Personenverkehr auf der ehemaligen DUE immer mehr ab. Bereits 1965 gab es Bestrebungen, im Winterfahrplan 1965/66 den Personenverkehr einzuschränken. Geplant waren nur noch drei Güterzugpaare mit Personenbeförderung (Gmp).
Wie aus einer Statistik des Bahnhof Uckro vom 14. Juni 1965 hervorgeht, belief sich die Anzahl der verkauften Fahrkarten für die Relation Dahme — Uckro für die Monate April 1965 auf 370 Stück, Mai 1965 auf 269 Stück und Juni 1965 auf 201 Stück. Das Volksgutes Kemlitz sprach sich gegen eine Reduzierung des Zugangebots aus was in einer Eingabe an den Rat des Kreises Luckau — Referat Verkehr — zum Ausdruck kam. Hintergrund war die Verschlechterung der verkehrlichen Anbindung der im Ortsteil Schlagsdorf wohnenden Bevölkerung. Durch den geplanten Wegfall des um 15.05 Uhr ab Dahme fahrenden Zuges war die Rückfahrt der Schlagsdorfer Schulkinder in Frage gestellt. Die Eingabe hatte Erfolg. Zu den drei Güterzugpaaren mit Personenbeförderung (Gmp) wurde ein zusätzliches Personenzugpaar Dahme —Uckro vorgesehen. Die Einstellung des Reiseverkehrs war damit jedoch noch nicht zu den Akten gelegt. Eine Arbeitsgemeinschaft des Bahnhof Uckro, bestehend aus dem Dienstvorsteher und einem Fahrdienstleiter, befasste sich weiterhin intensiv mit dem Verkehrsträgerwechsel. 1967 erhielt das Bw Luckau die erste Diesellokomotive der Baureihe V 60 (spätere Baureihe 106). Der Bestand wurde Anfang 1968 aufgestockt. Durch den Traktionswechsel ergaben sich Probleme in der Bespannung der Gmp. Da die V 60 nicht über eine Heizeinrichtung für Reisezugwagen verfügte, war das Fahren der Gmp auf der Strecke Dahme — Uckro mit diesen Lokomotiven nicht möglich. Dies war u.a. ein weiterer Grund für die Einstellung des Reiseverkehrs. Ab Sommer-fahrplan 1967 entfielen die Gmp 8272 und 8273 für die Personenbeförderung. Somit verkehrten im Sommerfahrplan nur noch drei Zugpaare mit Personenbeförderung. Mit Einführung des Winterfahrplanes 1967/68 wurden nochmals zwei Zugpaare für die Personenbeförderung gestrichen.
Am 3. Januar 1968 war es dann soweit, um 14.40 Uhr verließ der 8275 als letzter Zug mit Personenbeförderung, den Bahnhof Dahme. Den historischen Abfahrauftrag erteilte der Fahrdienstleiter Werner Fuchs. Bespannt war der Zug mit der Lok 55 2113 (Lokführer Artur Faulenz, Heizer Unger und Zugführer Herbert Braun). Damit hatte die Arbeitsgemeinschaft des Bahnhof Uckro ihr Ziel erreicht, nämlich die Einstellung des Reiseverkehrs auf der Strecke Dahme —Uckro, die Beseitigung des Parallelverkehrs Uckro — Dahme, einem wirtschaftlicheren Lokeinsatz im Bw-Bereich Luckau und eine rationellere Betriebsführung. Mit der Einstellung des Personenverkehrs wurde der Bahnhof Dahme als Zugbegleiter-Heimatbahnhof aufgelöst. Die Übergabezüge verkehrten nun ohne Zugbegleitpersonal. Die ehemaligen Zugbegleiter wurden stationär als Rangierleiter oder Zugfertigsteller in Dahme weiterbeschäftigt. Trotz der Einstellung des Reiseverkehrs wurden in Dahme weiterhin Fahrkarten verkauft und Expressgut abgefertigt. Für die Beförderung des Expressgutes führten die Züge einen Güterzugepäckwagen mit. Die Streckengeschwindigkeit betrug 30 km/h und als Höchstlast der Züge wurden 500 t festgelegt. Auch wenn auf der Strecke nur noch Übergabezüge verkehrten, so musste in den Wintermonaten der Verkehr für die wirtschaftlichen Belange aufrechterhalten werden. So wurde 1969 mit dem Rat der Stadt Dahme (Mark) eine Vereinbahrung über die Gestellung von zehn Arbeitskräften und ein Gespann getroffen. Diese sollten im Winterhalbjahr 1969/70 bei Eintreten des Katastrophenzustandes (Warnstufe III) zum Einsatz kommen. Verantwortlich für den Abschluss solcher Verträge war die Bahnmeisterei Uckro.

  • Reger Güterverkehr und großes Jubiläum

Besonders im Herbst, mit der Ernte der Zuckerrüben, war das Versandaufkommen in Dahme sehr hoch. Neben Zuckerrüben wurden auch Kartoffeln, Getreide, Erzeugnisse des Maschinen baus Dahme (als Betriebsteil des Kombinat Fortschritt Landmaschinen VEB Erntemaschinen Tröbitz), der Firma W. Klatt und anderer Firmen verladen. Im Empfang waren es hauptsächlich Güterwagen beladen mit Kohle und Dünger. Die Bedienung des Bahnhof Dahme erfolgte montags bis samstags drei Übergabezug-paaren vom Bahnhof Uckro aus. 1981 war für die Beschäftigten des Bahnhof Dahme ein ganz besonderes Jahr. Zu Ehren des X. Parteitages der SED wurde das Kollektiv des Bahnhof Dahme für seine hervorragenden Leistungen mit dem Orden „Banner der Arbeit" ausgezeichnet. Ein weiterer Höhepunkt folgte 1986 mit dem 100-jährigen Jubiläum der Dahme-Uckroer Eisenbahn. Am 27. Juni fand im Haus des Volkes ein entsprechender Festakt statt. Während der Veranstaltung wurden einige Eisenbahner des Bahnhof Dahme für ihre geleistete Arbeit ausgezeichnet. Viele Betriebe bedankten sich beiden Eisenbahnern für die gute Zusammenarbeit. Im Anschluss an den offiziellen Teil wurde bei Musik und Tanz so manche Episode aus vergangener Zeit erzählt. Auch das Heimatmuseum gedachte mit einer Sonderausstellung dem 100-jährigen Jubiläum.

  • Auf dem Weg zur Stilllegung

Mit der friedlichen Revolution stagnierte auch in Dahme wie so vielerorts der Güterverkehr. An manchen Tagen fielen die Übergabezüge zwischen Uckro und Dahme wegen mangelnden Frachtaufkommens aus. Im Fahrplan 1992/93 verkehrten noch zwei Zugpaare und im Fahrplan 1993/94 ein Zugpaar. Am 31. Dezember 1993 wurde schließlich der Güterverkehr eingestellt. Der Lokschuppen in Dahme wurde 1994 kurzzeitig seiner eigentlichen Funktion gerecht. Er diente der Einsatzstelle Luckau als Unterstellmöglichkeit für die auf einigen Bahnhöfen (wie Golßen) entbehrlich gewordenen Kleinlokomotiven der Bauart Kö. Der Verkehr auf der Strecke ruhte und es war auch nicht mit einer Aktivierung zu rechnen. So entschied man sich die Strecke am 31. März 1995 stillzulegen. Das Bahnhofsgebäude von Kemlitz bot schon seit einigen Jahren einen traurigen Anblick.

  • Die Bahnanlagen werden zurückgebaut

Ungenutzt war es dem Verfall preisgegeben. Im März 1997 entschloss sich die Deutsche Bahn AG das Gebäude abzureißen. Die Kosten für den Abriss betrugen laut Zeitungsangaben 200.000 DM. 2002 folgte dann der Rückbau der gesamten Strecke zwischen Uckro und Dahme. Ein Teil der Strecke wurde als Kabeltrasse für die auf dem Gelände des früheren Ortsteiles Schlagsdorf neu errichtete Windkraftanlage genutzt. Ein Jahr später wurden die Gleisanlagen des ehemaligen Dahmer Bahnhofs in Uckro sowie die Anbindung der ehemaligen DUE an die Strecke Berlin — Dresden zurückgebaut. Auch in Dahme begann der Rückbau von Gleisanlagen. Das ehemalige Anschlussgleis der BHG in wurde im Mai 2003 zur Schaffung von Parkplätzen zurückgebaut. Im Amtsblatt für das Amt Dahme/Mark vom 26.März 2004 wurde darauf verwiesen, dass die Strecke Dahme (Mark) — Uckro von km 0,00 bis km 12,50 für Betriebs- und Verkehrszwecke einer öffentlichen Eisenbahn des Bundes nicht mehr erforderlich ist und aus der eisenbahnrechtlichen Zweckbestimmung zum 12. Februar 2004 entlassen (entwidmet) wurde. Im Bereich des Bahnhof Dahme begann 2005 der Rückbau der Gleisanlagen. Heute erinnern nur noch die Hochbauten, wie das Stationsgebäude, der Lok- und der Güterschuppen an den einstigen Bahnhof Dahme.

Für die Bereitstellung bedanke ich mich bei meinem Freund und Kollege Bernd Fuchs aus Dahme/Mark

Kursbuchkarte von 1958



La Teil B 36. Woche 1977

La-Strecke 50 der Rbd Cottbus

Postkarten



Ansichten 1993


346 473 der Einsatzstelle Luckau im September 1993 mit einem Nahgüterzug im Bahnhof Dahme/Mark.